
DIE SINNVOLLE KOMBINATION VON ACKERKULTUREN UND GEHÖLZEN
Auf dieser Fläche von 1,58 ha wird die Solidarische Landwirtschaft mit Gemüseanbau im Market-Garden-System betrieben. Dies bedeutet, dass mit einfachen Techniken auf kleinster Fläche auf effiziente Weise Gemüse von hoher Qualität erzeugt wird. Zusätzlich sind verschiedene Fruchtgehölze integriert, um ein ertragreiches und resilientes Agroforstsystem aufzubauen. Hierdurch ist die Fläche vielfältiger gestaltet und es werden neben dem Gemüse auch Obst und Nüsse für die Mitglieder der SoLaWi produziert.
Was ist ein Agroforstsystem?
In einem Agroforstsystem werden mindestens zwei Komponenten verschiedener Landnutzungsformen miteinander vereint. Auf einer Fläche werden Gehölze wie Bäume oder Sträucher mit Ackerkulturen oder auch Tierhaltung kombiniert, sodass zwischen den Komponenten ökologische und ökonomische Vorteilswirkungen entstehen. Ein zentrales Element von Agroforstsystemen sind die vielfältigen Gestaltungs- und Kombinationsmöglichkeiten von einfachen Gehölzstreifen bis hin zu komplexen Systemen. Die Hauptkomponenten sind üblicherweise die Kombination von Grünland mit Bäumen, Ackerland mit Bäumen oder Gehölze mit Nutzpflanzen und zusätzlicher Tierhaltung. Um die Fläche individuell optimal zu gestalten und das größtmögliche Potenzial auszuschöpfen, können Agroforstsysteme in unterschiedlichen Pflanzmustern angelegt werden. In Abhängigkeit von dem Standort, dem Ziel des Betriebes und der Flächenstruktur kann es individuell geplant und umgesetzt werden.
Historische Bedeutung der Agroforstsysteme
Agroforstsysteme sind eine neue Bezeichnung für ein altes, traditionsreiches Konzept, das in Mitteleuropa seit Jahrhunderten angewendet wird und weltweit zu den ältesten Formen der Landnutzung zählt. Die historische Kulturlandschaft Mitteleuropas war lange geprägt vom Wechselspiel zwischen Wald- und Offenlandflächen. Mit der nahezu flächendeckenden Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft sowie der Flurbereinigung verschwanden jedoch viele der einst typischen Hecken- und Gehölzstrukturen zwischen landwirtschaftlichen Flächen, da sie als Hindernis für den technischen Fortschritt galten. Heute bestehen die ländlichen Räume Deutschlands überwiegend aus intensiv genutzten Agrarlandschaften. Das heute noch am weitesten verbreitete Agroforstsystem sind die Streuobstwiesen.
Agroforstsysteme heutzutage
Durch das wachsende Interesse an der nachhaltigen Bewirtschaftung erhalten die noch bestehenden Hecken wieder mehr Aufmerksamkeit und wird die Agroforstwirtschaft jedoch zunehmend wiederentdeckt und erfährt eine neue Bedeutung als zukunftsorientierte Form der Landnutzung. Derzeit wird an verschiedenen Institutionen und in Praxisprojekten zur Agroforstwirtschaft geforscht und die modernen Agroforstsysteme werden an die technische Ausstattung der Betriebe angepasst und es werden gezielt Gehölze gepflanzt, die sich in Hinsicht auf die Veränderungen durch den Klimawandel eignen.
Vorteile von Agroforstsystemen
Agroforstsysteme werden gepflanzt, da sie sowohl ökonomisch für die Landwirtschaft als auch ökologisch für den Naturschutz viele Vorteile bieten.
Durch die Integration von Bäumen und Sträuchern auf Äckern, Wiesen oder Weiden können verschiedene Nahrungsmittel und nachwachsende Rohstoffe gleichzeitig angebaut werden, wodurch die Produktivität einer Fläche steigt.
Die Gehölzstrukturen verbinden Biotope miteinander und schaffen dadurch strukturreiche Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Hierdurch entsteht eine deutlich höhere Artenvielfalt als im Reinkulturanbau. Besonders Insekten profitieren von den zahlreichen Nischen, wodurch die Biodiversität insgesamt steigt und mehr Pflanzen- und Tierarten eine ökologische Nische finden.
Die Gehölze schützen die Fläche außerdem vor Wind- und Wassererosion. Der Luftstrom wird über die Baumkronen hinweg gelenkt, sodass er nicht in die Nähe des Bodens gelangen kann. Besonders effektiv sind hierfür schnell wachsende Sträucher oder Mischpflanzungen aus verschiedenen Arten und Höhen, die einen dichten Bewuchs in Bodennähe aufweisen. Durch die Gehölze wird die Fließgeschwindigkeit des Regenwassers reduziert, was die Versickerung verbessert und weniger Boden abträgt.
In Agroforstsystemen bleibt der Boden durch das abgeworfene Laub dauerhaft bedeckt, was das Mikroklima stabilisiert und das Bodenleben fördert. Durch das tiefreichende, vernetzende Wurzelsystem der Gehölze wird die Fläche zusätzlich vor Bodenabtrag geschützt. Gleichzeitig wird die Humusanreicherung gesteigert, da die organische Substanz der Bäume und Sträucher den Humusaufbau unterstützt. Dies trägt wesentlich zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei.
Die Landschaft wird außerdem ästhetisch aufgewertet, da anstelle ausgeräumter Ackerflächen abwechslungsreiche Landschaftsbilder entstehen.
Ebenso bietet ein Agroforstsystem für die Tierhaltung Vorteile, da die Tiere durch die Gehölze im Winter wie Sommer geschützter sind.
Herausforderungen von Agroforstsystemen
Zu den Herausforderungen eines Agroforstsystems zählen die höheren Kosten sowie der größere Arbeitsaufwand für Etablierung, Bewirtschaftung und Pflege im Vergleich zu reinen Ackerkulturen. Besonders in den ersten Jahren benötigen die Gehölze intensive Pflege und Bewässerung. Zudem kann es je nach Ausrichtung der Gehölzstreifen zu Ertragsminderungen in den angrenzenden Kulturen kommen, da beide Systeme um Nährstoffe und Wasser konkurrieren. Daher ist eine gründliche Planung entscheidend, um die positiven Effekte zu erreichen, die sich erst nach einiger Zeit einstellen.
Produkterzeugung im Agroforstsystem
Neben den ökologischen und ökonomischen Vorteilen bietet ein Agroforstsystem vielfältige Möglichkeiten zur Erzeugung und Vermarktung von Produkten. Das Holz der Bäume kann für den Möbel- und Instrumentenbau genutzt werden, während schnell wachsende Gehölze wie Pappeln als Hackschnitzel oder Pellets zum Heizen verwendet werden können. Die Früchte eignen sich sowohl als Tafelobst als auch für die Verarbeitung zu Säften, Marmeladen und Kuchen. Nüsse können gewinnbringend verkauft werden. Darüber hinaus ermöglicht die Tierhaltung in einem Agroforstsystem die Produktion von Fleisch, Wurstwaren, Milchprodukten wie Käse und Joghurt sowie Honig.
Das Agroforstsystem auf dieser Fläche
In diesem Agroforstsystem liegt der Fokus der Gehölzarten auf klimawandelresistenten und zukunftsfähigen Obstkulturen.
Durch die vielen verschiedenen Sorten können frische Früchte und Nüsse über die gesamte Saison von Mai bis Dezember hinweg produziert werden. Mit dem Lagerobst auch darüber hinaus bis ins nächste Jahr.
Der Plan zeigt, welche Pflanzen wo wachsen:
- Auf den Streifen zwischen den Beeren sind Pfirsich, Apfel, Felsenbirne, Maibeere, Aprikose, Nashi-Birne, Kirsche, Zwetschge, Stachelbeere, Schwarze und Rote Johannisbeere, Mispel, Persimone und Kaki, Kornelkirsche, Feige, Quitte.
- Auf den Obststreifen am Ende der Fläche wachsen Maulbeeren, Himbeeren und Brombeeren.
- Am südlichen Rand der Fläche sind Walnuss- und Esskastanienbäume gepflanzt.
- Auf dem Streifen im Norden wachsen Birne und Speierling.
- Auf dem westlichen Streifen wächst Himalaya-Sanddorn, Italienische Erle und Vielblütige Ölweide.
- Am Ende des mittleren Weges wird noch eine Winterlinde gepflanzt.

Unsere Kooperationspartner bei der Anlage unseres Agroforst-Systems
Unser erstes Agroforstsystem haben wir im Dezember 2024 unterstützt von Tree-Athlete e.V. gepflanzt.
Unser Agroforstsystem wird ebenfalls unterstützt von der Stiftung myclimate und SilvoCultura.
Die Planung des Systems hat Tristan Mitzel von Triebwerk übernommen. Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen: Vom Acker zum Agroforst: Solidarische Landwirtschaft Ackervielfalt schafft Lebensräume!
Das wunderbare Kinderbuch, dass wir als Grundlage für unsere Bildungsangebote auf dem Acker verwenden wurde vom DeFAF e.V. erarbeitet! Ihr findet unser Agroforstsystem auch hier auf der Agroforst-Landkarte!
Unsere Agroforst-Beschilderung ist 2025 im Rahmen eines LEADER-Regionalbudgets der LEADER-Region 3L-in-Lippe entstanden:




